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Pflegequalität - Was sollte gemessen werden?

Notwendigkeit und Möglichkeiten zur Messung pflegebeeinflussbarer Ergebnisqualität in Altenpflegeheimen

Kurzzusammenfassung (deutsch)

Abstract (englisch)

Inhaltsverzeichnis

Auszug aus der Einleitung

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Kurzzusammenfassung

International steigt der Bedarf an validen Aussagen zur Pflegequalität. Innerhalb dessen gewinnt der Bereich der Ergebnisqualität sowohl aus politischer, gesellschaftlicher und berufspolitischer Sicht an Bedeutung. Auch Deutschland steht am Beginn dieser Entwicklung. Vielfach werden jedoch noch die einfacher zu erfassenden Bereiche „Strukturen“ und „Prozesse“ überprüft. Für den Bereich der „pflegesensitiven Bewohnerergebnisse“ gibt es bislang noch keinen Konsens darüber, welche Ergebnisse überhaupt relevant und pflegesensitiv sind.Anhand veröffentlichter Literatur wurden 13 Instrumente zur Messung pflegerischer Ergebnisqualität vorgestellt und bezüglich der gemessenen Inhalte miteinander verglichen. Aus 35 Bereichen, die für eine Messung pflegerischer Ergebnisqualität geeignet sein können, werden durch einer Literaturanalyse 13 Bereiche sowohl auf ihre tatsächliche Relevanz als auch auf ihre Pflegesensitivität für den Bereich der stationären Altenpflege hin untersucht. Die Relevanz wurde, soweit die Datenlage dies zuließ, über eine getrennte Erarbeitung der epidemiologischen, finanziellen, gesundheitlichen sowie der persönlichen Bedeutung des Themas für den Bewohner untersucht. Es wird festgestellt, dass vor allem in Fragen der Pflegesensitivität der meisten Bereiche derzeit noch große Wissensdefizite bestehen.

Es erscheint bei geeigneter Risikobereinigung durchaus möglich, Aspekte der pflegerischen Ergebnisqualität als Indikatoren zur Pflegequalität zu verwenden. Dies gilt vor allem für die Bereiche „Grad der Harninkontinenz“, „Aktivität“, „Bewohnerzufriedenheit“, „Sturz und Fraktur“, „Kontrakturen“, „Nosokomiale Infektionen“, „Dekubitus“ und „Dehydratation“. Für die Bereiche „Verweildauer“, „Angehörigenzufriedenheit“ und „Bewohner-Pflegekraft-Beziehung“ wird dagegen die Aussagekraft zur Bestimmung pflegerischer Ergebnisqualität in Frage gestellt. Der Bereich „Mangelernährung“ ist vor allem auch aufgrund der ethischen Fragestellungen im Bereich der Nahrungsversorgung alter Menschen bezüglich der Verwendung als Qualitätsindikator weiter zu überdenken.

Abstract

Internationally one finds nowadays an increasing demand for valid statements regarding the quality of nursing care. Especially outcomes become more and more important from a political, a social as well as a professional point of view. It will be demonstrated that Germany is also at the beginning of this development.

At first, this thesis gives an overall view about the theoretical and historical background on measuring nursing sensitive resident outcomes. Additionally, 13 instruments for measuring the quality of nursing sensitive outcomes are presented.

13 out of 35 might be suitable for measuring the quality of nursing sensitive outcomes. These areas will be evaluated through literary analysis for their actual relevance as well as for their nursing sensitivity regarding elderly people nursing home care. Whenever suitable information was obtained, their relevance was evaluated for epidemiological, financial, physical and personal importance. It has to be noted, that generally there is still a great lack of knowledge regarding the nursing sensitivity of most of the presented areas.

In summary, the domains „level of incontinence“, „activity“, „resident satisfaction“, „falls and fracture“, „contracture“, „nosocomial infections“, „decubitus“ and dehydration“ are found to be possible indicators on quality of nursing sensitive outcomes, whilst the meaningfulness for evaluating the quality of nursing care of the areas „length of stay“, „family member satisfaction“ and „personal relationship between residents and staff” has to be doubted. Mainly because of unsolved ethical questions regarding giving food by refusal the area „malnutrition“ has to be reconsidered further.

Auszug aus der Einleitung

In den Industrieländern, darunter auch Deutschland, wächst der Anteil der alten Menschen an der Bevölkerung. Dies ist zum einen in der niedrigeren Geburtenrate, zum anderen in der gestiegenen Lebenserwartung begründet. Hinzu kommt eine generell gestiegene Multimorbidität im letzten Lebensabschnitt, so dass eine steigende Anzahl von Menschen im Alter pflegebedürftig werden. Die aufgrund der höheren Lebenserwartung steigende Zahl von Menschen mit gerontopsychiatrischen Erkrankungen lässt vermuten, dass eine wachsende Zahl Pflegebedürftiger nicht mehr zu Hause gepflegt werden kann (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2001). Begünstigt wird dieser Trend durch eine Abnahme des familiären Pflegepotentials (vgl. Weyerer, Schäufele 1999). Ebenso kann die Einfüh­rung der Diagnosis Related Groups (DRGs) bei mangelnder Gegensteuerung in den dem Akutpflegebereich nachgeschalteten Einrichtungen, z.B. Langzeitpflegeeinrichtungen, zu höheren Verweildauern führen (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2001).

Dieser Zunahme von institutionalisierten Langzeitpflegebedürftigen stehen sich verknappende finanzielle Mittel der öffentlichen Hand gegenüber (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2001). Aufgrund der Globalisierung des Wettbewerbes und der steigenden Bedeutung der Lohnnebenkosten ist der Spielraum für öffentliche Haushalte, neue Ressourcen zu erschließen, stark eingeengt. Somit steigt der Druck auf das Gesundheitssystem, die Effizienz des Ressourceneinsatzes zu steigern (vgl. Köck 2000). Damit verbunden ist die Frage, welche Qualität in Pflegeheimen geleistet werden soll. Köck (vgl. 2000) argumentiert, dass Menschen als vernunftbegabte Wesen, wenn sie über ausreichend Informationen verfügen, ihre eigenen Nutzenpräferenzen festlegen können. Ausgehend von dieser Überlegung gewinnt die Perspektive des Bewohners einer Altenpflegeeinrichtung an Bedeutung. „Um ein Gesundheitssystem so gestalten zu können, dass die Patientenperspektive auf allen Ebenen Priorität hat, bedarf es einer Vielzahl von Instrumenten zur patientenorientierten und aus der Perspektive des Patienten konzipierten Messung medizinischer Ergebnisqualität. Damit wird Outcome-Messung zu einem unverzichtbaren Gestaltungs- und Steuerungselement des modernen Ge­sundheitssystems“ (Köck 2000, S. 8). Diese Aussage gewinnt unter den oben beschriebenen Maßgaben auch im Bereich der stationären Pflegeeinrichtungen verstärkt an Bedeutung.Auch der Sachverständigenrat zur Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen (2000) spricht sich in seinem aktuellen Gutachten für eine stärkere Outcome-Orientierung als Gegenpol zur „Dominanz der Ausgabenbetrachtung“ (S. 17) aus. Zudem empfiehlt er an mehreren Stellen die Messung und Veröffentlichung von Outcomes zur Steigerung der Transparenz der gesundheitlichen Versorgung gegenüber den Nutzern (z.B. S. 82, 84).Auch wenn die Finanzierung von Langzeitpflegeeinrichtungen zurzeit noch an Strukturkriterien geknüpft ist, rückt im Zuge des novellierten SGB XI der Qualitätsaspekt zunehmend ins Zentrum des Interesses. Pflegeheime müssen gegenüber den Pflegekassen verstärkt nachweisen, dass sie die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel effizient eingesetzt haben. Dazu bedarf es geeigneter Systeme, die die Ergebnisqualität pflegerischen Handelns adäquat darstellen.

Aber auch in der Öffentlichkeit geraten Pflegeheime verstärkt unter Druck. Meldungen über schlechte Qualität in Langzeitpflegeeinrichtungen werden anhand von Einzelbeispielen skandalträchtig über die Laienpresse, TV-Magazine oder das Internet publiziert (z.B. Jenrich 1999; Forum zur Verbesserung der Situation pflegebedürftiger alter Menschen in Deutschland 2001, 2002) (vgl. Aktion gegen Gewalt in der Pflege 1999). Aussagekräftige Messinstrumente zur Darstellung der tatsächlichen Pflegequalität unter Einschluss der Pflegeergebnisse existieren im Bereich der Altenpflege in Deutschland kaum.

Die Rahmenbedingungen für Langzeitpflegeeinrichtungen sind ständigen Schwankungen unterworfen. Gesetzgebung und Gesellschaft verändern die Grundlagen für die stationäre Langzeitversorgung alter Menschen. Einige Tendenzen sind zum Beispiel der Rückgang des Anteils an qualifiziertem Personal in Pflegeheimen zugunsten von Pflegekräften ohne Qualifikation oder mit Helferausbildung auf der einen und die Zunahme der Qualifikation auf Leitungsebene sowie die Einführung 50 relevanter Hochschulstudiengänge auf der anderen Seite (vgl. Kuhlmey, Winter 2000; Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen 2000). Hier bedarf es Instrumente, die die Auswirkungen dieser Tendenzen auf das Ergebnis der pflegerischen Versorgung erfassen (vgl. Eichenlaub, Sangha 2001).

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